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Elvira II
64er 7/1993 und 8/1993
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Das Spiel
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Ich htte schon vor Stunden im Studio sein mssen, um Elvira bei einigen kniffligen Szenen zu helfen. Aber leider bin ich zu Hause vor der Flimmerkiste eingenickt. Das gibt rger! Elvira ist ja sonst die Ruhe in Person, aber wenn man sie versetzt ... 
 
Tja, mein Mdchen ist inzwischen erfolgreich ins Filmbusiness eingestiegen und dreht die absolut besten Horrorstreifen in ihren Black-Widow-Studios. Da bleibe sogar ich wach. Je-denfalls bin ich jetzt hier! Seltsam, keine Menschenseele weit und breit. Das groe Ein-gangstor ist sonst nie verschlossen, und von den Wachposten ist auch keiner zu sehen. Hier ist was faul! Nur Elviras Nobelschlitten steht noch auf dem Parkplatz. Also ist sie doch ir-gendwo im Studio. Nur, wie komm ich da rein? Das Wachhaus ist natrlich auch fest verrie-gelt. Ungeduldig laufe ich auf und ab und stolpere dabei ber einen Stein. Der kommt ja wie gerufen. Ich bcke mich, um ihn aufzuheben.

Dabei fllt mir ein vergammelter Pilz auf, der sich zwischen all dem Unkraut behauptet. Einer seltsamen Regung folgend, nehme ich Stein und Pilz an mich. Mit voller Wucht schleudere ich den Stein durch die Glasscheibe der Wachhaustr, der Rest ist ein Kinderspiel. Im Wachhaus ist auch niemand. Neugierig ffne ich die Tr zum Nebenzimmer. Oh Gott, Alfred, was ist los? Blutberstrmt fllt mir einer der Security-Leute vor die Fe. Den hat es bse erwischt. Was zum Teufel luft hier? Tut mir leid, alter Junge, aber ich brauche deinen Schlssel. Ich nehme dem Toten den Schlssel ab und stecke ihn in die Sicherheitsanlage. So, noch schnell den Code eingeben - 6850 - und mit lautem Quietschen ffnet sich das groe Tor. Na bitte, das htten wir.
 

Im Black-Widow-Filmstudio
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Bevor ich den Studiokomplex betrete, untersuche ich Elviras fahrbaren Untersatz. Im Koffer-raum finde ich eine Drahtschere. Es kann bestimmt nichts schaden, wenn ich all den Krem-pel, den ich so sehe, mitnehme. Ich habe zwar noch keinen Schimmer, mit wem oder was ich es hier zu tun habe, aber schon McGyver lehrt uns, da noch so unwichtig erscheinende Dinge in ausweglosen Situationen lebensrettend sein knnen. Ich wende mich nach Osten und betrete die Eingangshalle. Dort greife ich mir den Feuerlscher an der Wand und stehe genau vor dem Lift, nachdem ich die Schwingtr passiert habe. Wollen mal sehen, was hier noch so geboten ist. Ich steige in den Aufzug und drcke den Knopf fr den zweiten Stock. Der Lift setzt sich in Bewegung, und ein paar Sekunden spter hlt er schon wieder mit ei-nem Ruck. Die Tr gleitet langsam zurck, und ich spre, wie mir eine Gnsehaut ber den Rcken luft. Der erste Tote kippt aus dem Wandschrank im Wachhaus ...

Diese Stille macht mich ganz verrckt. Ich biege nach rechts um die Ecke und stehe auf ei-nem langen Korridor, von dem viele Tren abzweigen. Ohne lange zu berlegen, strme ich in den Computerraum. Er ist leer. Nur ein paar alte Floppys sind aufzutreiben. Egal, ich nehme sie mit und hole mir als nchstes aus dem Zimmer des Direktors je eine Flasche Brandy und eine Flasche Whisky. Wute schon immer, da sich der Alte ganz gerne mal einen Schluck genehmigt. Na, bei all den haarstrubenden Movies, die in diesem Studio ge-dreht werden, auch kein Wunder. Dann stehe ich in Elviras Garderobe. Mmmmmh ..., wie gut es hier riecht! Der Duft ihres Parfums hngt noch in der Luft. Schnell, bevor mir die Sinne schwinden, raffe ich alles, was nicht niet- und nagelfest ist, an mich. In der Maske setze ich mir zum Spa eine Percke und einen Hut auf. Naja, nicht so mein Stil. In einer Schmink-schatulle finde ich noch eine Sonnenbrille. Nach der Devise "mehr ist besser als wenig" ver-staue ich das Zeug in meinem Inventory und setze meinen Rundgang fort. Nichtsahnend drcke ich die Trklinke des Kostmzimmers ... Hilfe, was - was ist das? Eine frchterlich entstellte Hexe strzt sich auf mich. Das kann doch nicht wahr sein, die ist echt, keine Ver-kleidung!
 

Das verhexte Top-Model
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Geistesgegenwrtig zcke ich mein Messer, das ich immer bei mir habe, und steche wie wild auf die Hllenkreatur ein. Nach einer Ewigkeit bricht die hliche Alte zusammen. Nur das glitschige Auge ist noch brig von ihr. Ich nehme es als Beweis mit, denn das glaubt mir sonst keiner. Mit zittrigen Hnden greife ich nach einem Laborkittel, einer Zaubertunika und einem Florett. Nichts wie raus hier! Vielleicht ist eine Tarnung doch nicht so schlecht? Also schlpfe ich im Maskenzimmer in den Laborkittel und setze mir die Percke sowie die Son-nenbrille auf. Als ich mich so verkleidet im Spiegel betrachte, kann ich schon wieder lachen. Im neuen Outfit wage ich mich zurck zum Lift und fahre hinunter ins Kellergescho. Dort treffe ich einen alten Indianer. Endlich ein menschliches Wesen. Ich bestrme ihn mit Fra-gen, aber damit er mir hilft, mu ich ihm zuerst einiges besorgen. Allerdings wei er, was mit Elvira geschehen ist: Sie wurde von einer bsen Macht in eine der beiden Filmkulissen ver-schleppt! Bisher dachte ich, da solche Typen nur ber den Bildschirm flimmern und dort Unheil stiften, aber jetzt stren sie mein sonst so geruhsames Leben ganz empfindlich.

Elvira, halte durch! Ich verliere keine Zeit und lasse mich vom Fahrstuhl in den ersten Stock beamen, um die Drehorte des Grauens nach Elvira zu durchkmmen. Da mir das Geister-haus im Vergleich zum Friedhof etwas sympathischer erscheint, entschliee ich mich, die Suche in dem alten Kasten zu beginnen. Um mir Zutritt zu verschaffen, mu ich zuerst den Code an der Studiotr 2 knacken. Elvira, meine Se, hoffentlich hast du die Kombination nicht schon wieder gendert ... Yeah, das Baby ist offen. Nichts hlt mich jetzt noch auf. Im "House of Horror" angelangt, mu ich mich erst einmal orientieren. Ist nmlich schon eine Weile her, seit ich das letzte Mal hier war. Na, das Barometer hngt hier auch so einsam an der Wand. Bestimmt fhlt es sich bei all dem anderen Krimskrams viel wohler. Ich nehme es vom Haken und stecke es ein. Bodybuilding zahlt sich eben doch aus! Nun ist es an der Zeit, sich gegen das Bse zu wappnen. Simsalabim - nach einem alten Familienrezept braue ich mir auf die Schnelle ein paar "Livesavers" bzw. Zaubertrnke.

Also, was genau brauche ich? Als sehr ntzlich erweisen sich normalerweise der Feuerball-zauber, die Eispfeile, die heilenden Hnde, der Mutmacher und der Glckstrank. An die Ar-beit. Mit Hilfe der Taschentcher, des Brandys und des Amuletts sind die bunten Wsser-chen bald fertig. Um mich vor weiteren unangenehmen berraschungen zu schtzen, nehme ich gleich mal einen krftigen Schluck von jedem. Nun kann die Suche endlich beginnen. Neu motiviert stapfe ich die Treppe hinauf und gehe nach Westen. Durch eine Tr komme ich ins Badezimmer, das ich um einen Schwamm rmer mache. Wieder zurck auf dem Gang, wende ich mich nach Osten und finde in den nchsten Zimmern eine Leiter und eine Schachtel Zndhlzer. Dann betrete ich eines der Schlafzimmer. Ich untersuche das Bett eingehend und entdecke unter den kuscheligen Daunen einen Knopf. Mit bebender Hand drcke ich das blinkende Ding. Schnarrend ffnet sich vor mir in der Wand eine Geheimtr. Mir stockt der Atem, als ich im Inneren der Kammer eine Horde schlafender Vampire erbli-cke. Nur nicht aufwecken! Auf Zehenspitzen hole ich mir die Kerzen und den Kelch vom Al-tar. Unbeschadet kehre ich ins Schlafzimmer zurck und ziehe das von Blut besudelte Laken vom Bett. Nein, schon wieder ein Toter!

Doch urpltzlich richtet sich der totgeglaubte Mann auf und macht eine schreckliche Wand-lung durch. Der verzerrte Krper trachtet mir nach dem Leben. Ich schleudere ihm einen Feuerballzauber entgegen, und augenblicklich liegt der leblose Krper wieder friedlich auf dem Bett. Vllig entkrftet entreie ich dem Toten einen Schlssel und ein Foto, das einen Typen mit Laborkittel, Sonnenbrille und Waver-Frisur zeigt. Bin das etwa ich? Aber wer hat mich geknipst?
 

Wie man sich bettet, so ...
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Im Zustand absoluter Verwirrung taumele ich aus dem Zimmer und finde im Osten noch zwei Schlafzimmer. Das erste ist total uninteressant, ich verlasse es sofort wieder. Aber im zwei-ten fhle ich mich seltsamerweise sehr heimelig und wanke wie ein Schlafwandler sofort auf das Bett zu. Ja, Schlaf ist jetzt genau das, was ich brauche! Kaum habe ich mein mdes Haupt niedergebettet, versinke ich im Reich der Trume. Elvira ist pltzlich bei mir. Ist etwa alles nur ein bler Traum gewesen? Doch als sich die Gestalt meiner Liebsten in eine schreckliche Fratze verwandelt, bin ich wieder hellwach. Noch etwas schockiert packe ich das Kopfkissen und die Stimmgabel und stolpere ins Kinderzimmer. Dort nehme ich den hbschen Gummiball mit. Wieder auf dem Flur, gehe ich nach Norden und erklimme die Treppe zum Dachboden. Ein Sarg steht vor mir. Gewarnt durch die bisherigen Vorkommnis-se bin ich auf alles gefat. Und tatschlich, der Sargdeckel bewegt sich, und ich werde mit einem weiteren Vampir konfrontiert. Eine rettende Idee schiet mir durch den Kopf: Ich lasse die Stimmgabel singen, das Dachfenster zerbricht, und der einfallende Lichtstrahl verbrennt den Blutsauger. Erleichtert atme ich erst einmal tief durch und stelle die Leiter an die Fens-terffnung.

Nach dieser kurzen Verschnaufpause eile ich zurck in die Eingangshalle und wende mich der Tr im Osten zu. Ich ffne sie und erblicke mir gegenber zwei imposante Ritterrstun-gen, die eine weitere Tr einrahmen. Von der rechten Rstung montiere ich den Helm und den rechten Stulpenhandschuh ab und folge den Rumlichkeiten nach Osten. Aus der ge-schlossenen Tr erscheint pltzlich ein kleines Gespenst und fordert von mir etwas zum Spielen. Die Sammlerei macht sich eben doch bezahlt! Ich krame aus meinem Inventory den roten Ball hervor und werfe ihn dem Geisterwesen zu. Glcklich verschwindet es ebenso schnell wieder, wie es gekommen war. Die Tr ist jetzt unbewacht, und ich schaue mich in der riesigen Bibliothek um. Da Lesen bekanntlich bildet, schmkere ich in dem einen oder anderen Buch. Da fllt mir der schon etwas abgegriffene Titel "Creatures of Horror" in die Hnde. Das ist das fehlende Puzzlestck im Kampf gegen das Bse! Jetzt wei ich endlich, wie diesen Brdern beizukommen ist. Ich speichere Seite um Seite in meinem Gehirn und fhre mir auch noch "The Theory of Resurrection" und "Everyman's Poison Handbook" zu Gemte, denn: Wissen ist Macht!
 

In der Geheim-Bibliothek
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Als ich den giftigen Wlzer wieder auf seinen Platz zurckstelle, fllt ein unscheinbares Stck vergilbten Papiers zu Boden. Ich betrachte es nher. Es enthlt eine ellenlange che-mische Formel, mit der ich leider nichts anfangen kann. Chemie war noch nie meine starke Seite! Na, das Ding ist bestimmt noch zu etwas ntze. Ich verlasse die Halle der Bcher wie-der, vorbei an den stocksteifen Rittern, und bin durch eine Tr im Westen erneut in der Vor-halle. Mmmmhhh! Der Geruch von gebratenem Fleisch zieht durch den Raum. Mir knurrt der Magen, und ich berschlage schnell die Stunden, die vergangen sein mssen, seit ich das letzte Mal etwas Ordentliches zwischen den Zhnen hatte. Schnurstracks begebe ich mich zur Tr an der gegenberliegenden Wand, von wo der Wohlgeruch herzurhren scheint. Mir luft das Wasser im Munde zusammen, als ich den festlich gedeckten Tisch mit der riesigen Dinnerplatte in der Mitte zu Gesicht bekomme. Voller Freude nehme ich die Wrmehaube ab. Aber, aber ... ! Ich nehme nur undeutlich wahr, wie mir die Haube aus der Hand gleitet und klirrend zu Boden fllt, und starre wie hypnotisiert auf den Festtagsschmaus.

Der Braten, der Kopf des Regisseurs, lchelt mich an und zieht Grimassen, bis schlielich Speichel aus seinem Mund tropft. Ich versuche das Wrgen in meinem Hals unter Kontrolle zu bringen und stlpe die Haube schnell wieder ber das Gericht, um mich von dem grausi-gen Anblick zu befreien. Der Appetit ist mir grndlich vergangen! Elvira, von den Typen kannst du noch was lernen! Mein Gott, bisher dachte ich immer, ihre Filme seien an Ab-scheulichkeit nicht zu berbieten. Hab mich wohl geirrt. Noch ganz apathisch steuere ich auf den Wandschrank zu und ffne ihn. Zu keiner Gefhlsregung mehr fhig, wandern meine Augen ausdruckslos ber den Leichenberg darin. Wenn dieser Horrortrip nun nie zu Ende geht? Los, Junge, rei dich zusammen, du mut Elvira finden, bevor sie diesen Metzgern in die Hnde fllt! Meine Lebensgeister und die Farbe in meinem Gesicht kehren langsam zu-rck. In Windeseile rume ich die Regale neben der Tr leer, um so schnell wie mglich die-ses ekelerregende Zimmer zu verlassen. Mist, verdammter, die Tr ist verschlossen, und die Sicherungsanlage lt sich nicht ausschalten! Da sind pltzlich klar und deutlich Schritte zu vernehmen. Ich strze einen Schluck von meinem Feuerballtrank hinunter.

Keine Sekunde zu frh, denn schon springt die Tre auf, ein Typ in knappem Lendenschurz strzt auf mich zu und fuchtelt mit seinem Messer bengstigend dicht vor meinem Gesicht herum. Mit Hilfe des Trunks und meiner Wut ist der Kerl bald erledigt. Ich flchte durch die nun sperrangelweit geffnete Tr und haste weiter nach Osten, die dunkle Kellertreppe hin-unter. Da die Gnge nur sprlich beleuchtet sind, setze ich langsam einen Fu vor den an-deren, gehe durch das schwarze Gittertor, dann durch das weie, nach rechts um die Ecke und stehe endlich vor dem Labor. Ein Chemiker steht vor seinen Instrumenten und fragt mich, ob er mir helfen knne. Ich bitte ihn, mir die Formel zu mixen und hndige ihm das Blatt Papier aus der Bibliothek aus. Ohne ein Wort zu verlieren, vermischt er die notwendi-gen Bestandteile und berreicht mir ein Flschchen mit tdlichem Inhalt. Ich trnke damit die Scheibe Fleisch und verschwinde. Dann lande ich in einem Versuchsraum, denn Franken-stein hngt bewegungslos auf der anderen Seite an seinen Drhten. Wollen wir mal die Pup-pen tanzen lassen! Ich bettige den Hebel, aber Herman Monster gibt keinen Muckser von sich. Mit dem beschftige ich mich spter noch mal. Ich sammle fleiig Reagenzglser, eine violette Flssigkeit sowie ein eingelegtes Gehirn, einen Arm und ein Herz ein. Inzwischen kann mich nichts mehr schocken! Ich verlasse den Raum, orientiere mich nach Westen, vor-bei an dem Gittertor, und steige schwer beladen die Treppe hoch. Die nchste Tre fhrt mich in die Kche. Dort wird alles, aber auch wirklich alles eingehamstert:
 

Die Gruselkche
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Teller, Fleischermesser, Fleischklopfer, Eier, Frchte, Konserven, Eimer, Hufeisen, zwei Do-sen (in der einen finde ich den Medizinbeutel des Indianers) und die Saucen-Pfannen. So ausgerstet kann ich ein paar weitere notwendige Wsserchen mixen. Fr den Schutzzauber eignen sich die Saucen-Pfannen hervorragend, das Gehirn wird fr den Totenabwehrzauber verbraten und das Barometer fr die Sturmbeschwrung. Als letztes der Auferstehungs-spruch, der die drei eingelegten Krperteile erfordert. Ich verlasse die Kche und fle mir etwas vom Totenabwehrtrunk ein, denn schon stoe ich auf einen Zombie, der mir so ge-strkt aber nichts anhaben kann. Es ist an der Zeit, bei meinem Freund, dem Indianer, wie-der vorbeizuschauen. Nichts wie raus aus dem Gruselhaus, zurck zum Studiogelnde. Dort bringt mich der Lift ins Kellergescho. Die alte Rothaut wartet noch immer auf mich.

Aber zunchst hole ich mir aus dem Boilerraum gleich neben der Tr einen Stahlschlssel und eine Kupferstange. Wieder raus. Nach Osten hin finde ich in einer Abstellkammer auch noch einen Besen. Mit meinen neuen Errungenschaften fllt es mir leicht, wieder in das alte Haus zurckzukehren. Es ist mir etwas unangenehm, im Speisezimmer mein Reagenzglas mit dem Blut des Regisseurs zu fllen, zumal er mir dabei auch noch zuschaut. Das httest du dir auch nicht gedacht, mal als Braten zu enden, was? Leider scheint der Gute zwar nicht seinen Humor, aber seine Sprache verloren zu haben. Schade, seine bissigen Bemerkungen werden mir fehlen. Doch zum Trbsalblasen bleibt keine Zeit. Ich strme die Treppe hoch ins Dachgescho und hangele mich mit Hilfe der Leiter rauf aufs Dach. Nur nicht nervs werden und nicht nach unten gucken. Ich bin ja fast perfekt, aber leider nicht schwindelfrei. Am Ka-min befestige ich die Kupferstange und lasse den Auferstehungs- sowie den Sturmbeschw-rungsspruch vom Stapel. Es funktioniert, es funktioniert! Dicke Wolken ziehen auf, und ich mache, da ich vom Dach komme, bevor es mich hinunterweht.

Unten in der Halle gelange ich durch die im Osten gelegene Kche zur Kellertreppe und ste-he, nachdem ich mich nach Westen gedreht habe, direkt vor Frankensteins Tr. Der Spa kann beginnen. Bewaffnet mit Elviras Drahtschere drcke ich den Hebel nach unten, und der grobschlchtige Frankenstein strmt sofort auf mich zu. Wie ein Profi durchtrenne ich mit der Schere seine Lebensdrhte, und mit einem dumpfen Schlag schlgt der Kerl am Boden auf. So, ihr widerlichen Kreaturen, bald habe ich euch alle! Wozu brauchen wir noch Superman oder He-Man, he? Die von Mr. Frankenstein versperrte Tr ist nun leicht zu passieren, trotz-dem nehme ich vorsichtshalber einen Schluck Feuerballwasser zu mir. Neugierig schaue ich in den kleinen Raum und traue meinen Augen nicht! Meine Elvira kauert dort an einen Pflock festgebunden. Endlich! berglcklich will ich sie in meine Arme schlieen, da verwandelt sich ihr appetitlicher Krper in ein abgemagertes Totengerippe. Schnell schleudere ich dem Luder einige Feuerblle entgegen, bis nichts mehr von ihr brigbleibt als ein paar Staubkr-ner. Das war das letzte Mal, da ich auf eure billigen Tricks hereingefallen bin. Jetzt sollt ihr mich erst richtig kennenlernen! Zu allem entschlossen hetze ich zurck zum Studiokomplex. Es ist soweit, der Friedhof wartet. Schnell den Code fr die Studiotr eins eingeben ... - auch diese Zahlenkombination stimmt noch. Ich sphe vorsichtig durch die groe Doppeltr.
Dieser Ort war mir schon immer unheimlich, und unter diesen Umstnden ... Aber kein Laut ist zu vernehmen. Mutig stapfe ich weiter, als ich knapp ber mir einen Luftzug verspre. Hilfe, Mama ... ! Mir rutscht das Herz ziemlich weit nach unten. Puh! Nur eine Fledermaus ... Diese Mistviecher erschrecken einen zu Tode. Ich mache, da ich in die Kapelle komme, denn dort bin ich vor weiteren Angriffen aus der Luft sicher. Rechts hinten an der Wand steht ein Becken, gefllt mit Weihwasser. Auch damit flle ich eins der Reagenzglser und nehme schnell den Auferstehungszauber zu Hilfe, denn am Boden entdecke ich einen toten ( "dis-membered") Priester. Ich behandle ihn mit dem Trank, und er sieht wieder ganz gut aus, a-ber ich nehme den Gottesmann erst einmal mit. Dann gehe ich in Richtung Altar, als pltzlich ein geflgelter Sensenmann vor mir auftaucht. Meine Eispfeile erweisen mir wieder einmal unschtzbare Dienste, und der flatternde Kerl ist bald hinber. Das goldene Kreuz und die beiden Kerzenleuchter sind schnell mein, ebenso die Kanzel. Im Osten verbirgt sich ein Sei-tenaltar, von wo man ber eine mchtige Steinplatte Zugang zu den Katakomben erhlt.
 

Die Katakomben
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Der Eingang wird von zwei an Ketten geschmiedeten Frauen mit Lwenkpfen bewacht. Ich erwecke zunchst ihre Aufmerksamkeit und mache sie dann mit Hilfe der Eispfeile unschd-lich. Mit mulmigem Gefhl steige ich ins Gewlbe hinunter, das aus mehreren Ebenen be-steht. Dank meiner langjhrigen Mitgliedschaft bei den Pfadfindern fllt es mir nicht allzu schwer, mich nicht zu verlaufen. Auf der ersten Ebene finde ich einen Halbedelstein, einen Amethyst und einen scharfen Feuerstein. In der zweiten Ebene stoe ich in einer Mauerni-sche auf einen Smaragd. In den nchsten drei Ebenen ist gar nichts, aber auch gar nichts zu holen. Ich bin schon versucht wieder umzukehren, denn irgendwie ist es hier so tief unten in der Erde sehr unheimlich. Aber ich glaube mich zu erinnern, da nur noch eine Ebene kommt, und wo sonst knnte Elvira noch stecken, wenn sie noch lebt? Ich kmpfe die Tr-nen bei diesen Gedanken zurck und klettere noch weiter hinab. Nach einer Ewigkeit sehe ich SIE pltzlich vor mir: Elvira! Ist es wieder nur eine Tuschung?

Ihre schnen Augen funkeln mich bse an, und die Worte sprudeln nur so aus ihrem verlo-ckenden Mund: "Ich dachte schon, du wrdest nie kommen. Los, machen wir, da wir von hier verschwinden, und nimm das Seil mit, du wirst es noch brauchen!" Das ist die echte Elvi-ra, nach dieser Begrung sind die letzten Zweifel ausgerumt. So "liebt" nur sie. Kein Wort des Dankes, nichts. So ist sie eben! Man riskiert Kopf und Kragen fr sie und wird dafr noch bld angemacht. Ich nehme schnell das Seil an mich und eile hinter Elvira her, die es natr-lich nicht fr ntig findet, auf mich zu warten. Wieder in der Kapelle angelangt, verlasse ich die Filmkulisse und eile zum Parkplatz. Dort mixe ich mit Hilfe des Feuerlschers und des Seils einen Feuerabwehrzauber und einen Dmonenbann. Dann veranlasse ich den Priester, auf dem Parkplatz einen Kreis mit einem Pentagramm aus Menschenblut zu zeichnen. Ich gebe ihm dazu das Reagenzglas mit Blut, eine satanische Kerze und den Medizinbeutel. Auerdem berlasse ich ihm zum Schutz die beiden vorher gebrauten Zauberwasser. Damit hat er sein Soll erfllt. Ich mu noch einmal zurck in den Horrorschuppen. An der Eingangs-tre wende ich mich nach Westen und betrete das Arbeitszimmer, das von den Rittern be-wacht wird. Im Schreibtisch finde ich eine Bibel. Ich wei auch, da in die Wand ein Safe eingelassen ist, nur leider fehlt mir der Schlssel. Ratlos schaue ich zum Aquarium.

Da blitzt doch was! Ich trete nher und erblicke den gesuchten Schlssel am Boden des Fischbehlters. Glck mu der Mensch haben! Beherzt greife ich hinein, und sofort strzen sich die kleinen Fischlein auf meine Hand und fangen an, daran herumzuknabbern. Ver-dammt, Piranhas! Ich betrachte wtend meine schmerzende Hand. Na klar, das vergiftete Fleisch! Euch gefrigen Beiern werde ich helfen! Ich werfe das Fleisch ins Aquarium, und gleich darauf treiben die Fische bauchoben im Wasser. Ungehindert greife ich mir den Schlssel und hole die Friedenspfeife aus dem Safe. Damit eile ich zurck zu meinem Freund, dem Indianer. Ich bitte ihn, mir den Speer zu geben, aber dazu braucht er die Frie-denspfeife, den Feuerstein und den Besen. Freudig berreiche ich ihm das Gewnschte und erhalte dafr den Speer. Er wird mir helfen, das Bse zu besiegen, beteuert der rote Mann. So schnell mich meine Beine noch tragen, laufe ich zum Parkplatz, wo der Priester alles N-tige vorbereitet hat. Er gibt mir den Feuerabwehrtrunk und den Dmonenbann zurck, die ich wirklich gut brauchen kann. Das Herz klopft mir bis zum Hals. Ich kann mich kaum noch auf meinen wackligen Beinen halten vor Erschpfung und Angst. Es hilft nichts!

Ich drcke den Feuerknopf (der Spieler!). Die Erde bebt, und das Pentagramm geht in Flammen auf. Trotz des Zaubers frchte ich zu verglhen. Ein riesiges Loch tut sich im Bo-den auf, und pltzlich steht er vor mir: Der Hllenhund Cerberus! Der mittlere der drei Kpfe speit Feuer. Meine Haare sind schon total versengt. Ich schleudere den Dmonenbann auf ihn, und die Hllenkreatur ist fr einige Augenblicke gelhmt. Das ist meine Chance! Ich er-greife den Speer und werfe ihn mit letzter Kraft gegen das Untier. Treffer! Zwei Kpfe hn-gen schlaff herunter, aber der dritte bumt sich noch einmal auf und maltrtiert mich mit neuen Feuerattacken. Ich greife nach dem groen Fleischermesser und ramme es mitten ins Herz des Angreifers. Mit schrecklichem Getse und Gejaule verbrennt Cerberus in einem riesigen Feuerball. Ich habe es geschafft! Ziemlich fassungslos blicke ich auf die Aschereste. Nach einigen Minuten bin ich wieder in der Lage, klar zu denken. Also, was stelle ich jetzt an? Zuerst nehme ich ein heies Bad. Dann hole ich mir von Elvira meine verdienten Strei-cheleinheiten. Ich erzhle ihr alles von Anfang bis Ende. Sie wird furchtbar stolz auf mich sein. Und dann schlage ich ihr vor, das Ganze zu verfilmen. Und natrlich habe ich auch einen heien Tip fr die Besetzung der Hauptrolle!
 


(64'er-Longplay 7/1993 und 8/1993; Autoren: Manfred Hirt/Jrn-Erik Burkert) 

